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DER KARTON AN DER KASSE TEIL IV

 sie sah ihn an. er senkte sofort den blick. sie keuchte atemlos, weil sie die antwort nicht erwarten konnte und auch, weil sie sich so beeilt hatte. aber er sagte nichts. sie zog hastig ihre jacke aus, denn sie dampfte vor schweiß und geschmolzenem schnee. er sagte noch immer nichts. sie ging unruhig auf und ab. er verschränkte die arme vor seinem körper, sah sie an und ... schüttelte langsam den kopf.

 "was heißt das ?" fragte sie, "nicht deswegen, oder dass du das nicht beantworten willst?"

 `doch nicht deswegen ?`, fragte sich die frau. "aber warun dann ?!?" rief sie aus und versuchte gegen den dicken kloß in ihrem hals anzukämpfen, der drohte ihr die stimme zu versagen. `oder möchte er darauf keine antwort geben ? mir keine antwort geben ?`

 die fragezeichen waren zurück. er sah sie stumm an. angst überrollte sie. als ob ihre synapsen eben noch zu eis erstarrt und jetzt wie junge knospen im frühling austrieben, überschlugen sich ihre gedanken: ´er weiß,dass ich die zettel habe !´, ´nein, ich könnte es auch von meinem arbeitskollegen wissen !`, `aber der weiß doch nicht, dass das der trennungsgrund gewesen sein soll !`, `also weiß er, dass ich die zettel ...`

 "ich möchte dir nur sagen..." sagte sie. "du darfst nicht denken, dass... " versuchte sie es erneut. "wir sollten vielleicht ... " sie gab es auf.

 er sah wieder zu boden. sie versuchte ruhig zu atmen. sich zu vergewissern, dass sie nichts falsch gemacht hatte. doch das war schwer. als er stumm blieb, machte die frau die tür auf und ging. ohne ein weiteres "warum?" und ohne zu zögern. sie zog die jacke an, machte das fahrrad los, `ich schiebe` dachte sie und sah in die strahlende wintersonne, die jeden unversehrt gebliebenen eiskristall aufblitzen ließ.

 ein lied fiel ihr ein. ein rap mit einem text, der sie ansprach, wie sonst keiner. sie mochte an und für sich keinen rap, hatte aber durch diesen herausgefunden, dass ihre abneigung die texte und nicht die musikform betraf. die frau bog von der kleinen seitenstraße auf die hauptverkehrsstraße ab, schob ihr rad weiter durch den knirschenden schnee und pfiff die backvocals des liedes vor sich hin. den text behielt sie in gedanken:

 

"[...] "wir haben auf sand gebaut"

sagte sie leis´

"wir hatten nie festen boden

vielleicht machte das uns´re pläne so groß

vielleicht ging es darum daneben

 

es hat uns der raum gefehlt

und auch die zeit

wir fühlten uns nie aufgehoben

auch waren die ziele womöglich zu hoch

trotzdem möcht´ ich nur mit dir leben!

 

sag dazu `ja!` und dann laß´es uns tun !

oder sag´ ´nein! nein, wirklich nicht, nein´

und ich werde es nie wieder wagen

dich solche dinge zu fragen ..."

 

 

´es ist eben so...´, dachte die frau. ´vielleicht nicht gut, aber doch besser. besser zu gehen. besser? ist es so besser? ... für mich schon, ja!´

 

denn sie hatte wieder keine antwort bekommen.

11.1.10 18:32
 


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